Weg mit den bösen Meinungen. Los Zensur, fass!

Ein Twitter-Account namens @titusluca macht immer mal wieder die Runde im Netz und zieht allerlei Kritik und Häme auf sich. Grund sind diverse konservative Ansichten und altbackene Äußerungen zum Thema Homosexualität, Ehe, Familie und anderem. Ein Konservativer, wie er im Klischeebuch steht (Biographie: “CDU, JU, Köln und bald Politiker! Neukonservativ, rechts! Themenschwerpunkte: Extremismus, Sicherheit, Familie. Ich twittere nur meine eigene Meinung.”).

Ich möchte hier nicht über @titusluca reden und auch nicht über die Frage, ob er echt ist oder nicht (viele halten ihn für einen Fakeaccount, der nur dazu angelegt wurde, zu provozieren). Viel interessanter als seine schon vielfach woanders gehörten Äußerungen, die zwar inhaltlich kontrovers und konservativ, aber in der Form meist ruhig und sachlich sind, finde ich die Reaktionen darauf, von Argumenten über Lästern bis hin zum persönlichen Angriff. Ein wirklicher Austausch von Argumenten oder gar erfolgreiche Überzeugungsarbeit findet kaum statt und ist auch nicht wirklich zu erwarten. Egal, von welcher Seite.

Erschreckt haben mich nun allerdings Aufrufe, @titusluca als Spam zu melden, ein Mittel, um auf Twitter störende Werbetweets, Hetzaufrufe und Ähnliches zu unterbinden. Mancher mag es ja persönlich für Hetze halten, wenn jemand gegen die Homo-Ehe ist und dies mit konservativen Ansichten begründet. Ein Grund für eine Zensur stellt dies aus meiner Sicht aber noch lange nicht dar.

Ich wundere mich, wie Leute, die soziale Medien zur Verbreitung ihrer eigenen Meinung nutzen und das Recht auf Meinungsfreiheit in Anspruch nehmen, gleichzeitig bei anderen (abweichenden) Meinungen diese Freiheit wieder einschränken wollen. Als ob man sich dem nicht inhaltlich stellen oder die Meinung einfach als solche stehenlassen könnte.

Die Welt war und ist voll von Beispielen, in denen angebliche “Meinungsfreiheit” in Wirklichkeit von der geäußerten Meinung abhängt und Abweichendes oder gegen das System gerichtetes nicht zugelassen und von Regierung und/oder Militär mundtot gemacht wird. Man sollte also meinen, dass mitteilungswillige Menschen es zu schätzen wissen, wenn sie nicht nur ihre Meinung sagen dürfen, sondern ihnen inzwischen sogar noch die technischen Mittel für eine überregionale Verbreitung zur Verfügung stehen. Aber was tun sie? Sie setzen genau die Restriktionen und Separationen fort, die sie selber kritisieren oder vielleicht sogar selbst erleidet haben.

Natürlich ist Meinungsfreiheit kein Schwarz-/Weiß-Raum, es gibt eine riesige Bandbreite an Meinungen von “normal” bis “maximal extrem”, wobei ich mit Letzterem Erscheingungen wie Volksverhetzung oder Aufrufe zu Straftaten meine. Es stellt sich also die Frage, wie weit Meinungsfreiheit gehen darf und muss, um eine demokratische und freie Gesellschaft abzubilden. Und bestimmt gibt es auch im “Netz” genug Extreme, die strafrechtlich relevant sind und verfolgt gehören.

Die Äußerungen von @titusluca und anderen, so wenig ich auch ihrer Meinung bin, gehören aus meiner Sicht nicht dazu. Sie sind schlicht und ergreifend konservativ und wer hier schon nach Zensur ruft, vergeht sich mehr am wertvollen Gut der Meinungsfreiheit als einer, der unpopuläre Äußerungen tätigt, die aber keinem schaden.


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3 Responses to “Weg mit den bösen Meinungen. Los Zensur, fass!”

  1. Meiner Meinung nach kann dieser @titusluca ja gerne von sich gebem, was er will. Damit habe ich kein Problem. Was mich allerdings an der ganzen Sache stört, ist der auch von Dir angesprochene, nicht vorhandene Austausch der Standpunkte aller beteiligten Seiten. Dass auf Twitter, einer eigentlich freien Plattform, dazu aufgerufen wird, dass ein Individuum zensiert werden soll, weil er seine Meinung von sich gibt, geht gar nicht. Dieser Aufruf ist einfach nur feige. Feige, weil die Menge sich die Meinung von Luca nicht anhören will. Feige, weil sie andere vorschieben. Feige, weil sie selber nicht den Mut haben, sich die Meinung von anderen anzuhören.
    Andererseits finde ich auch den provokanten Umgangston des Herrn @titusluca für durchaus unangemessen. Aus genau den gleichen Gründen.

    Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier, wenn man einmal seine Meinung gefunden hat, lebt es sich mit dieser gut. Ändern? Wozu denn? Ist doch viel zu unbequem. Da muss man ja von der Couch aufstehen und zuhören. Nee, lieber weitergammeln, Flips verschlingen und RTL2 gucken.

    Aber vielleicht ist @titusluca ja einfach nur ein gut inszenierter, provokanter Account, um die Masse aufzuregen.

  2. @titusluca ist mir gestern zum ersten Mal aufgefallen. Neben einem Anruf bei der Jungen Union Köln habe ich via Twitter versucht, an ihn heran zu kommen.

    Mir geht es dabei aber nicht um die Unterdrückung von Meinungen – so offenkundig abstrus sie sind. Er braucht schlichtweg ein Medientrainig, um nicht als Troll da zu stehen.

    Das war auch meine Bitte an die Junge Union, ihr Mitglied doch mal “an die Hand” zu nehmen. Auch sein Bekenntnis “rechts” finde ich bedenklich.
    Nicht etwa, weil ich das nicht als Teil des Meinungsspektrums dulden könnte, sondern weil sich hier ein junger Mensch in den Mittelpunkt einens Shit-Tornados (Storm wäre zu schwach) begibt, dem er mit seinen 15 oder 16 Jahren schlimmsten Falles nicht gewachsen ist.

  3. Hallo Daniel,

    ich finde Deinen Ansatz sehr gut, im Gegensatz zu den vielen, die nur unkontrolliert reagieren oder den passiven Kommentierern (wie ich) die Angelegenheit konkret anzupacken. Deine Sichtweise teile ich vollkommen.

    Zu schnell wird einer konservativen Meinung der Stempel “rechts” aufgedrückt, gleichzeitig verschiebt sich die Bedeutung des Wortes “rechts” von “CDU/CSU” (wo ich Luca sehe) immer mehr in Richtung NPD u.a. Rechnet man nun die eine oder andere verminderte Fähigkeit zu Differenzierung und Toleranz hinzu, entsteht ein gefährliches Diskriminierungs- und Unterdrückungsgebräu, dass sich vor sich selbst und der Öffentlichkeit immer wieder erfolgreich mit “Antifa” rechtfertigen kann.

    Neben @titusluca, den es nun getroffen hat, finde ich die Erscheinung an sich bedrohlich, da sie nicht statisch ist, sondern immer größere Formen annehmen kann, Social Media sei Danke.