Energie. Bewusst. Sein.

Redet man über Energiebewusstsein, denken viele Menschen zuerst an Sonne, Öl, Kraftwerke, Strom und die vielen kleinen und großen Helferlein in unserem Leben, die all die mühsam erzeugte Energie wieder “verbrauchen” (In Wirklichkeit wird sie ja nur umgewandelt, aber das ist ein anderes Thema).

Ein ganz anderes Bewusstsein von Energie kommt uns Menschen eher selten in den Sinn. So geht der Umgang mit unseren eigenen Ressourcen, unserem Denken, Handeln, Freuen, Ärgern, Fühlen, Rennen, Zögern, Weinen und Lachen, meist ohne großes Bewusst-Sein vonstatten, “es passiert” und wir lassen uns treiben in einem Strom aus Leidenschaft und Lethargie, Licht und Schatten, Überfluss und Verharren.

Ohne Zögern stürzen sich Menschen in zehrende Konflikte, suchen und finden Feindbilder und Feind, ölen Schubladen und Waffen für Gefechte, die sie weder verstehen können noch wollen. Der tägliche Kampf findet im Bauch statt, nicht im Kopf. Potenzielle Auslöser gibt überall, auf den Straßen, in Familien, im Fernsehen, auf der Arbeit. Vor allem aber in unserem Nicht-Verstehen. Was wir nicht sofort begreifen, erscheint uns unheimlich, was unheimlich ist, ist ein potenzieller Feind sein und gegen Feinde müssen wir uns wehren. Vorsicht ist schneller als Nachdenken und bevor wir den Sinn unseres Tuns reflektiert haben, sind Körper und Geist schon in Habachtstellung.

Ich sitze im ICE nach Süden, vor dem Fenster fliegt der morgendliche Spessart vorbei. Frühnebel liegt auf den Feldern und ich lausche der wundervollen Musik von Yann Tiersen aus “Goodbye Lenin” und “Amelie”, die mir erzählt, wie viel Schönheit da draußen wartet, Schönheit, die es wert ist, hinzuschauen und sich ihr hinzugeben, anstatt sich in endlosen kleinen Kriegen zu verlieren. Mit feuchten Augen schaue ich auf den Main, den wir zum wiederholten Mal kreuzen und denke an ein tolles Telefonat gestern abend. 90 Minuten, in denen sich zwei Menschen nichts gaben als Worte, ein Spiel mit Sprache, ein Öffnen von Toren, Gedanken, Welten, nach denen man eine ganze Nacht braucht, das Erlebte und Erdachte noch einmal zu durchträumen und morgens mit dem Gefühl aufzuwachen, dass die Welt ein klein wenig anders, ein klein wenig besser geworden ist.

Wenn wir durch unsere Unruhe und Aufregung das Wasser dauernd in Bewegung halten, werden wir nie einen klaren Blick auf den Grund, die Tiefen des Meeres und – klingt das nicht verführerisch? – des Seins bekommen. Wir werden die ganze Zeit mit Wellen und Strudeln kämpfen, die wir selber erzeugen und sich mit denen unserer Nachbarn auftürmen zu kleinen Tsunamis, in denen wir uns verlieren und die Orientierung, die uns aus diesem Unwetter wieder herausführen könnte.

Werden wir uns unserer Energie bewusst, die uns in schier unendlichem Maße durchdringt, leitet und zur Verfügung steht, und verwenden sie für etwas Gutes. Bauen Welten, erfinden das Sein neu, erschaffen neue Sprachen, Bilder, Träume. Und lassen wir es auch unseren Nachbarn tun, unsere Kinder, unsere Freunde, Feinde und letzten Endes alle anderen um uns herum. Lassen. Lassen! Möglichkeiten schaffen! Bewegen! Jeder für sich und alle miteinander.

Wir haben uns und anderen so viel zu geben, wann fangen wir endlich damit an?


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One Response to “Energie. Bewusst. Sein.”

  1. Stefan Schlögl Says:

    Hab’ den Post verschlungen als würde mein Leben davon abhängen, ihn schnell zu lesesn, und ich muss sagen, er war es wert!