Don’t feed the Trolls!

Viele Twitterer von Euch kennen @Der_Oberlehrer und sind „schonmal“ wegen der „Gallerie“ an das rechthaberische Etwas geraten. Und einige, man glaubt es kaum, antworten dem Grammatiklurch tatsächlich. Dabei ist auch er, wie viele(s) andere auf Twitter, nur ein Bot. Eine Maschine. Ein Automatismus, programmiert auf eine begrenzte Anzahl falsch geschriebener Wörter, nach denen „Es“ Twitter absucht und dann seine Korrekturbomben fallen lässt. Antworten ist also – wie jeder spontan einsehen wird – ziemlich sinnlos.

So wie ein Bot auf gefundene Stichworte reagiert und Mist absondert, funktionieren auch Trolle im Netz. Sie durchforsten die Twitter-Timeline oder Foren nach potenziellen Opfern und schlagen zu. Das kann ein poltitisches „Statement“ sein oder eine Diskriminierung, Lästerei oder direkte Beschimpfung. In so gut wie jedem Fall finden sich eine oder mehrere, die auf den Köder anspringen und kontern. Der Troll sitzt derweil hämisch grinsend in seinem Kämmerlein und reibt sich die Hände. Auf in die Schlacht…

Ob es nun gegen Emos geht oder Schwule, Behinderte oder Ausl…, Verzeihung, Menschen mit Migrationshintergund, ob von links gegen rechts oder umgekehrt geschossen wird, spielt überhaupt keine Rolle. Was die Trollwesen eint, ist pure Lust auf Provokation. Im „Real Life“ würden diese sich das kaum trauen (man denke an den „Gefahrensucher“ aus „Kentucky Fried Movie“), aber geschützt durch die scheinbare Distanz im Netz legen sie alle Hemmungen ab.

Damit sei von den Trolls genug geschrieben. Sie sind langweilig, kaum inspirierender als zwei Zeilen billigster BASIC-Code aus den 80ern:

10 troll
20 goto 10

Spannend wird es bei jenen, die auf irgendeine Art und Weise versuchen, an den Troll heranzukommen, ihn zu überzeugen, zu treffen, zu beleidigen, zu bremsen, zu bitten, zu verdammen und was die „zwischenmenschliche“ Kommunikationsfront noch an mehr oder weniger wirksamen Mitteln zu bieten hat. Alleine, ihr Versuch ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt, denn alles, was den Troll aufhalten, überzeugen, ändern soll, bringt ihn nur noch mehr in Fahrt. Genau DAS hat er gesucht. „Ihr Opfer, kommet“ und sie fliegen in Scharen auf ihn, der sich fortan im Trollen suhlt und – wenn er „gut“ ist – vortrefflich jeden Satz, jeden Schlag zu parieren und seinem Gegenüber in vollkommener Arroganz und Ignoranz zurückzuschleudern weiß.

Was also tun?

Spätestens, wenn den Anti-Trollen klar wird, dass sie hier nichts ausrichten können, kommt der Ruf nach Strafe, Verbannung, Ausschluss. Dazu bietet Twitter – wie andere soziale Netze auch – die Möglichkeit, Benutzer zu melden, in vielen Fällen ein durchaus probates Mittel, die „Ordnung“ wiederherzustellen. Das beseitigt schnell die Symyptome, aber kaum die Ursache. Der Troll wird sich unter anderem Namen wieder anmelden und weitermachen. Weil er weiß, dass seine „Opfer“ nach wie vor da draußen lauern, von ihm getrollt zu werden.

Auf Anti-Troll-Seite sorgt diese letzten Endes nicht funktionierende „Lösung“ nur für unnötig hohe Produktion von Stresshormonen und schlechten Tagen. Wenn Euch also ein Troll begegnet und Ignorieren partout keine Option ist, dann werdet aktiv. Aber ich meine auch „aktiv“, also nicht einfach Trollbemerkungen aufgreifen und darauf REagieren. Damit kommt ihr aus der von ihm an Euch so geliebten Opferrolle nicht heraus. Nein, schreibt ihm sinnloses Zeug, postet die Wettervorhersage, die Lottozahlen von nächster Woche (ne, halt, die bitte per DM an mich), ein Katzenbild (ICHC FTW!) oder – als letzes Mittel – schreibt ihm, wie toll er ist, der perfekte Traummann/Frau/Hund/Troll. Er wird versuchen, auch das gegen Euch zu verwenden und zu provozieren, aber ihr werdet souverän weitermachen, selber den Level vorgeben und ihn einfach an Euch abprallen lassen (so, wie er es vorher mit Euch gemacht hat).

Vielleicht wird der Troll irgendwann die Lust verlieren, vielleicht auch nicht. Vielleicht ist es sogar er, der letzten Endes euch blockt. Das aber dürft ihr dann getrost als Sieg feiern (Widerstanden und Nerven geschont!) und Euch wieder anderen Dingen zuwenden. Es muss ja nicht unbedingt der Twitterclient sein. 😉

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