Von der Leidensdogmatik

Derzeit wird die Welt gebeutelt. Klima, Kriege und Katastrophen halten die Menschen in Atem und es fällt schwer, zwischendurch mal Luft zu schnappen angesichts immer neuer Schreckensmeldungen. Selbst Leute, die sich sonst nicht grün sind, einigt das Mitgefühl für Katastrophenopfer wie in Japan oder die Freude über einen poltischen Umschwung wie in Ägypten. Die Welt gibt die Headlines vor. Ein einig Volk von Leidern? Nicht ganz. Denn Leiden ist letztendlich immer persönlich und subjektiv und gehorcht ganz eigenen Maßstäben. Etwas, daß die Leidensdogmatiker nicht gerne sehen, zumindest, wenn es ihren eigenen gerade gültigen Richtlinien widerspricht.

Fall heute: Die Meldung vom Tode des Eisbären Knut macht die Runde. Und es passiert genau das, was passieren mußte. Ein Teil der Menschheit (hier mal repräsentiert in Form eines Teils meiner Twitter-Timeline) trauert um Knut, der andere Teil findet das lächerlich und proklamiert, daß es doch wahrhaft Wichtigeres gäbe als einen toten Eisbären, gefolgt von kleinen, aber gezielten ironischen oder sarkastischen Seitenhieben.

Was die Nörgler übersehen: Leid hat keinen allgemeinen Maßstab. In Indien können 1000 Menschen mit einer Fähre untergehen und trotzdem geht mir der Tod meines Hundes näher. In Afghanistan sterben noch immer Zivilisten und Soldaten unsinnige Tode und dennoch leide ich mehr, weil meine Fußballmannschaft im Pokalendspiel verloren hat. In Japan kämpfen ein paar Dutzend Helden, die ihr Leben opfern, gegen eine übermächtige Kern-Kraft und die nahende Katastrophe und trotzdem geht vielen (und wenn nur für den Moment) der Tod eines Eisbären näher.

Warum?

Leid, Schmerz und Angst sind persönlich empfundene und vor allem ausgesprochen starke Gefühle. Weil sie sich an selber gemachten Erfahrungen messen, an ureigenen Ängsten, mit denen wir aufgewachsen sind und die wir gerade noch so mit der Fee teilen, die uns beschützt hat, wenn wir nachts alleine im Dunkeln schlaflos im Bett lagen. Oder mit unserem Psychotherapeuten. Aber wir wollen uns nicht reinreden lassen, was wir gefälligst als schlimm oder harmlos einzustufen haben.

Kennt Ihr das, wenn Euch gerade der Freund verlassen hat und jeder Euch einreden will, daß das doch alles nicht so schlimm sei und wieder gut werde und noch immer die Sonne scheint und die Vögeln piepen (die man in dem Moment nicht mal wahrnehmen würde, wenn sie einem direkt auf den Kopf scheissen)? Ein paar Wochen oder Monate später seht ihr das vermutlich anders, weil Vögel und Sonne zurückgekehrt sind und Euer Bett schon von einem anderen Menschen warmgehalten wird. Aber in DEM Moment ist EUER Leid, EUER ganz eigener Schmerz und da hat Euch keiner reinzureden.

Nichts anderes ist es mit Knut und Japan (auch wenn Knut wahrscheinlich bei den meisten von Euch nicht denselben Stellenwert hat wie ein verschwundener Lebensabschnittsgefährte). Seit Tagen werden wir bombardiert mit Meldungen aus Japan und viele (inklusive mir) machen sich große Sorgen und fühlen mit den Menschen in Japan. Mit denen, die leiden, aber auch mit jenen, die gerade einen unmenschlichen Kampf gegen die Geister ausfechten, die sie (und wir) selber gerufen haben.

Da taucht eine andere im ersten Moment unwichtige Meldung auf. Knut, der Eisbär ist tot. Aber was passiert? Die Menschen brauchen eine Verschnaufpause von Japan, so brutal das nun klingt. Sie müssen für den Moment abschalten, weil sie sonst Angst, Mitgefühl und Wut übermannen. Und sie stürzen sich auf die Todesmeldung, vielleicht noch mit den Bildern des kleinen, weißen von der Mutter verlassenen Tollpatsches vor Augen. Sie sind emotionalisiert. Sie trauern. Und das auf eine Weise, die in ihrem “normalen” Rahmen liegt, wie um den Tod eines Haustieres, eines kleinen, aber auf Dauer kompensierbaren Verlusts. Sie trauern mit einem Licht am Ende des Tunnels, eben jenem Licht, das die Katastrophe in Japan und die momentan noch unabsehbaren Folgen ihnen nicht geben kann. Sie flüchten für einen Moment ins Warme.

Also, liebe Leidensvorschreiber, hört auf, diesen Menschen (und mir) befehlen zu wollen, über was wir zu trauern, zu leiden und uns zu entsetzen haben. Das ist arrogant und auf perfide Art egoistisch (seid ihr auch auch selber wahrscheinlich nicht frei von Leiden, aber erlaubt Euch keine Pause).

Dasselbe gilt übrigens für die permanenten Gesellschaftspessimisten, die IMMER einen Grund finden, warum nicht lachen, tanzen, sich freuen darf. “Wie kannst Du Party machen, während in X-Land Kinder verhungern?”. Klar, sowas ist schrecklich, aber wird diesen Kindern geholfen, wenn ich KEINE Party mehr mache, nie mehr in meinem Leben? Sorry Leute, ich weiß, dass auch ihr ein Problem habt, mit dem Leid dieser Welt umzugehen. Das ist nicht einfach, aber jeder muss erstmal seinen eigenen Weg dafür und dazu finden und hat keinem anderen dabei reinzureden, wie (Mit-)Leid stattzufinden hat.

Macht doch lieber was Konstruktives draus und sagt den Leuten: “Wenn ihr schon Party machen wollt und müsst, wieso sammelt ihr dabei nicht mal für die Spendenorganisation ABC, die die Kinder in X-Land unterstützt”.

Das wäre mal ein Schritt. Aber bitte macht endlich Schluß mit dem Leidensdogmatismus.

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Die Stadt der Blinden – Ein Endzeitdrama

Was ist so reizvoll an Endzeitfilmen? Ist es die Konfrontation mit unseren Urängsten vor Untergang und Vernichtung? Die beklemmenden Szenarien von Zerstörung, Naturgewalten und Aussichtslosigkeit? Oder das Ende von Moral und gesellschaftlichen Regeln, der brutale Kampf um Macht, Besitz und – nicht zuletzt – das Überleben?

“Die Stadt der Blinden” (Originaltitel: Blindness) ist ein 2008 erschienener Endzeitfilm, in dem in einer ungenannten Stadt plötzlich und ohne nachvollziehbaren Grund viele Menschen erblinden. Aus Angst vor Verbreitung einer vermeintlichen Seuche sperrt die Regierung sie in eine verlassene psychatrische Anstalt und überläßt sie dort sich selbst, streng bewacht von Soldaten, die jeden töten, der zu fliehen versucht. Mit der zunehmenden Anzahl der Internierten verschlechtern sich auch Versorgung und hygienische Situation zunehmend, es kommt zu immer mehr Gewaltausbrüchen. Schliesslich reisst eine Gruppe die Kontrolle der Nahrungsmittelvorräte an damit die Macht in der Anstalt an sich, die letzten Anzeichen von Zivilisation verschwinden in Gewalt und sexuellem Mißbrauch.

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Die Idee von Zerfall von Moral und Zivilsation aufgrund einer Naturkatastrophe oder Epidemie ist natürlich nicht neu, man denke zum Beispiel an “Der Omega-Mann” von 1971 oder den mehrfach verfilmten Roman “Herr der Fliegen” von William Golding aus dem Jahre 1954. Was “Die Stadt der Blinden” darüber hinaus interessant macht, ist die Frage, was wohl passieren würde, wenn eine Gruppe von Menschen plötzlich erblindet und isoliert miteinander klarkommen muß. Wie hilflos macht fehlendes Sehvermögen die Menschen bzw. mit welchen Mitteln setzen Blinde untereinander ihre Machtansprüche durch?

Die Situation bekommt eine besondere Note durch die einzig Sehende in der Anstalt, die Frau eines Arztes, die sich mit ihrem Mann in das Lager hineingeschmuuggelt hat. Welche Rolle kann sie in dieser Lage übernehmen und droht sie nicht an ihrer Aufgabe und Verantwortung zu zerbrechen? Sie erinnert mich dabei an die Figur des Robert Neville aus “I Am Legend”, jenem Wissenschaftler, der als einer der wenigen Überlebenden und Mitverursacher einer menschengemachten Epidemie weiter an deren Bekämpfung arbeitet.

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Die gezeigte Brutalität in “Die Stadt der Blinden” geht schon sehr weit, einen Großteil der Wirkung erzielt der Film jedoch mit der suggestiven Arbeit von Licht und Farben, welche die Siuation der Internierten immer wieder deutlich werden läßt. Glücklicherweise konnte Regiesseur Fernando Meirelles beim Aufbau der klaustrophobischen Grundstimmung auf simple Schreckmomente verzichten. Vielmehr läßt er die Bilder für sich sprechen, wie in jener einzigartigen Szene in der 60. Filmminute, als ein Junge an einen im Film nicht sichtbaren Tisch stößt, der kurz vorher noch zu sehen war. Ein winziger Effekt im Film, aber eine sofort intuitiv verständliche Darstellung der Situation der Erblindeten.

Unterm Strich ist “Die Stadt der Blinden” ein sehr sehenswerter Film, der sich nahtlos in die Reihe jener Endzeitwerke einreiht, die sich mit der Frage beschäftigen, welche Untiefen und Abgründe die menschliche Seele beherbergt und was es braucht, um sie ans Tageslicht (oder wie in diesem Fall, das Gegenteil davon) zu befördern. Der Film geht aus meiner Sicht manchmal etwas zu schnell vorwärts und hätte sich mehr Ruhe und Zeit für Details nehmen können. Andererseits spiegelt sich in dieser Ruhelosigkeit auch die (im Gegensatz zu den meisten anderen Endzeitdramen) klaustrophobische Situation im abgeschlossenen Lager wieder.

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Wer sich mit weiteren Filmen zum Thema beschäftigen möchte findet im Blackfear-Blog eine lange Liste verschiedenster Endzeitfilme. Mehr zu “Die Stadt der Blinden” gibt es u.a. auf Wikipedia sowie der deutschen und englischen Version der IMDB.

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Zuhören. Eingehen. Teilen.

Kommunikation ist schwierig. Vor allem, wenn einer nicht genau weiß, was der andere will oder etwas selber Gesagtes auffasst. Kommen dann noch verschiedene Ebenen der Verständigung plus eine Portion Gruppendynamik und Social Networking dazu, wird es abenteuerlich und mitunter frustrierend.

Paradebeispiel 1: Foren

Ich wende mich an die Mitglieder eines Forums mit einer simplen Frage “Wie kann ich in der Anwendung XYZ dies und das machen?”. Und die Antworten…

  • User A: “Warum willst du das denn machen, das ist doch total sinnlos / doof / zweckentfremend!
  • User B: “Bääähh… wie kannst Du nur das Programm XYZ verwenden. ABC ist doch viel besser“.
  • User C: “Öhmmm… also ich verwende das Programm nicht, aber ich könnte mir denken, dass vielleicht… eventuell… öhm… äh…
  • User D: “SuFu!
  • User E: “Ja, das würde ich auch gerne wissen. Hab ja schon überall gesucht und nix gefunden.

Fazit: Jeder trägt etwas zum Grundrauschen des Universums bei, aber keiner beantwortet die eigentliche Frage, wie ich denn nun in der Anwendung XYZ dies und das machen kann. Diese Erfahrung habe ich vor allem in deutschen Foren gemacht, sobald ich mit englischen Begriffen google und auf dementsprechend anderen Foren lande, finde ich die gesuchte Antwort oft in erstatunlich kurzer Zeit.

Es wäre grenzwertig grandios und phänomenal, wenn Menschen (und für diese halte ich Forumsmitglieder in der Regel dann doch) es mal schaffen würden, eine Frage in ihrem inhaltlichen Kern aufzugreifen und entsprechend zu beantworten, anstatt noch mehr Grundrauschen zu produzieren, das vor allem die eigene Arroganz, Hilflosigkeit oder Beschränktheit betont.

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Paradebeispiel 2: “Das ist ja uralt”

Während man im ersten Beispiel den “Tätern” eventuell noch Fahrlässigkeit oder Ahnungslosigkeit zugute halten könnte, handeln diese im zweiten Fall meist bewußt und gezielt.

Man stelle sich vor, jemand erzählt einen Witz oder postet den Link zu einem lustige Video, dann finden sich immer wieder Zeitgenossen, die mit einem “Mööönsch, der hat ja soooo nen Bart” oder “Hahaha, das kenne ich ja schon seit Eeewigkeiten” parieren und dabei alle medial verfügbaren Register ziehen, um die “Lustigkeit” und Abfälligkeit ihres Einwurfs noch zu betonen. Ihr Auftritt findet bevorzugt in derselben Runde statt, in der auch Witz oder Link gepostet wurden, um den Autor eben dort bloßzustellen und die eigene Erfahrung und Lebensweisheit (“Jaja, was ich schon alles kenne und gesehen habe“) herauszukehren. Das Fehlen einer Bühne hält die Lästerer aber keineswegs ab, im Zweifelsfall reicht auch schon der persönliche Triumph, dem anderen im Zweiergespräch voraus zu sein und ihn ein bisschen ärgern zu können.

Spricht man die Lästerer auf ihren Einwand an, bekommt man meist zu hören, dass es ja nur lustig gemeint gewesen sei (“Höhöhö“) und man natürlich nieeee die Absicht hatte, den anderen bloßzustellen oder sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Ja nee, iss klar.

Klar gibt es Leute, die sich schon mit dem Erzählen oder Posten eines Witzes/Videos in den Mittelpunkt stellen wollen. Die bevorzugt  nerven und Witze gerne auf Kosten anderer machen oder sonstwie gruppentechnisch unangenehm auffallen. Es gibt aber auch die (meines Erachtens nach größere) Gruppe jener, die einfach nur etwas Lustiges, das sie gefunden haben, mit anderen teilen möchten. Und wenn das nun jemand, der das hört oder liest, schon kennt? Was soll’s! Lacht mit und freut euch mit denen, die es noch nicht kannten und Spaß daran haben. Sich genau in dem Moment in den Vordergrund zu drängen und zu sagen, wie “alt”, “uninteressant” oder “unlustig” der Joke ist, zeugt schlicht von Neid,  Mißgunst und Geltungsbedürfnis, so “lustig” der Einwand auch verpackt ist.

Fazit: In seltenen Fällen mag es tatsächlich nur ein “freundschaftliches Ärgern” sein, da ist – wenn es nicht zur Gewohnheit wird – auch nix gegen einzuwenden. In vielen anderen Fällen aber erscheinen mir solche Szenen eher wie Wettbewerbe, in denen es unterschwellig darum geht, wer am lustigsten ist, am meisten witzige Sachen kennt und gesellschaftlich am meisten anerkannt wird. Da machen Leute Witze erzählen zum Kampf. Eigentlich schade…

Unterm Strich kommen wir, gerade auch in den sozialen Netzen, besser miteinander klar, wenn wir den Anderen einfach ein wenig mehr Freiraum lassen und nicht gleich alles kommentieren oder schlecht machen müssen. Es wäre schade, wenn Kommunikationsmedien wie Twitter oder Facebook zu einem Wettbewerb verkommen, wer am meisten Aufmerksamkeit, Prestige und Freunde/Follower hat, so etwas gibt es in anderen Bereichen schon mehr als genug.

Leben und leben lassen… manchmal sind die alten Sprüche immer noch die besten. Aber ich bin sicher, den habt ihr alle schon gekannt, oder? 😉

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Die Welt ist schlecht – lasst uns feiern!

Für mich hat sich seit Anfang des Jahres 2010  einiges getan. Ich habe nicht nur wieder mehr Kontakt zu einem sehr guten Freund, sondern auch viele neue Leute kennengelernt. Wenn ich sage, wo (“in Twitter”), schmunzeln viele, teils mitleidig, teils unwissend. Sie kennen das neue Kommunikationsmedium nur aus den Nachrichten und wissen darüber ungefähr so viel wie über Google Street View oder IRC, sprich: gar nix. Aber… diese neuen Bekanntschaften haben mich gestärkt, mich sozial “lebendiger” gemacht, und das nicht nur in der virtuellen 140-Zeichen-Welt, sondern auch im vielgeschworenen “Real Life”. Und in dem passiert momentan einiges.

Nach 2 Jahren und 8 Monaten kehre ich zurück. Von Budapest, wohin ich einst entsandt worden war, nach Kelsterbach, wo ich in von nun an wohnen und (wieder) arbeiten werde. Mit der Rückkehr sind einige Veränderungen verbunden, die für sich alleine schon kleine Herausforderungen sein können:

  • Neues Team mit für mich neuen Aufgaben und wahrscheinlich viel Arbeit, die auf mich zukommt.
  • Zurück von der “Aussenstelle” Budapest in den Kern der Firma, sozusagen die Flurfunk-Zentrale.  🙂
  • Neuer Wohnort (von der 2-Millionen-Metropole Budapest ins 13.000-Dorf Kelsterbach).
  • Keine Schichtarbeit mehr, nach sehr vielen Jahren weg vom Arbeiten rund um die Uhr an allen Tagen der Woche zu dem bisher nicht unbedingt geliebten “9 to 5”.
  • Von der Anonymität eines 7-stöckigen Mietshauses in ein 2-Familien-Haus.

Ich könnte nun also Nächte wachliegen oder verschwitzt aus Albträumen hochschrecken ob all der Unsicherheiten und Neuerungen, die sich in meinem Leben gerade abspielen. Könnte mich ständig fragen, ob das alles gut gehen wird und mich auf den Denk- und Tonfall jener einlassen, die vieles (oder gar alles) den Bach runtergehen sehen und mit dem Weltuntergang gar nicht bis 2012 warten wollen.

Alleine, es gelingt mir nicht. Nein, nicht nur das, ich will mich nichtmal anstrengen, es zu versuchen, in den “Schlimm-Schlimmer-Am Schlimmsten”-Kanon einzufallen. Warum sollte ich? Was würde es am Ergebnis ändern? Dies ist der Weg, für den ich mich entschieden hab, weil er mir für mein jetziges Leben als der interessanteste und praktischste erscheint. Klar kann es sein, daß meine Pläne schiefgehen, daß ich mit der 2-Familien-Haus-Situation nicht klarkomme, wegen der fehlenden Schichtarbeit das Geld nicht mehr reicht (was ich nicht glaube) oder die Ruhe meines Wohnortes mich erdrückt und ich mir die Hektik und den Lärm einer Großstadt zurückwünsche.

Und hier kommt ein eigentlich sehr guter Freund ins Spiel. Er, den ich schon sehr lange kenne, wirft mir (und das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen) “krampfhaften Lala-Rosa-Optimissmus” und “unrealistische Erwartungshaltungen” vor. Hui, das hat Dampf und Formulierungskraft.

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Sein “Einwand” betraf vor allem meine berufliche Zukunft, was nicht verwundert, da er nicht nur in derselben Firma arbeitet wie ich, sondern wir auch vor meiner Entsendung nach Budapest jahrelang direkte Kollegen waren. Und nicht nur das, er war es auch, der mich vor 11 Jahren für “angeworben” hat. Der Jobwechsel war und ist sicherlich eine meiner besten Entscheidungen meines Lebens gewesen und dafür bin ich ihm noch immer dankbar. Ich bin ihm auch dankbar für das ein oder andere offene Ohr, das er hatte, wenn ich mit Problemen zu kämpfen hatte, wie auch diesen Sommer. Die Krise war nicht zu knapp, aber sie ist vorbei, gelöst und ich hab mich wieder aufgerafft. Ein gutes Zeichen, ein Erfolg.

Aber wie ist das mit meinen oben genannten Entscheidungen? Bin ich wirklich zu optimistisch? Fahre ich zu viele kalte Wasser auf einmal auf? Ich denke nicht, denn das ist beleibe nicht das erste Mal, daß ich in besagte kühle Gewässer springe und mich damit nicht nur wohlfühle, sondern auch konstant weiterentwickelt habe. Also wage ich es einmal mehr und bin dabei furchtbar heftig (in seinen Worten “krampfhaft”) lala-rosa-optimistisch.

Dabei sage ich Euch: Lasst Euch Eure Welt und Eure Entscheidungen nicht von den Griesgrämern vermiesen, von jenen, die vor allem das Schlechte in allem sehen und heftigst enttäuscht sind, wenn ihr nicht ihrer Schwarzmalerei folgt. Klar, in dieser “Gesamt-Welt” und den vielen kleinen Welten, die jeder einzelne von uns die seine nennt und darin lebt, geht vieles schief. Ja, unterm Strich passiert ziemlich  viel Scheisse, es gibt böse Menschen,  fordernde Situationen und schlimme Schicksale. Aber es liegt an uns, wie wir darauf reagieren, es liegt an uns, wo wir unsere Energie, unsere Kraft hineinstecken, ob in Ärgern und Verzweifeln oder darin, die Situation zu verbessern und für uns wieder lebensfähig zu machen.

Beim Fremdärgern ist es noch einfacher, also einer Situation, wo ich mich über etwas ärgere, was ein anderer tut, obwohl es mich eigentlich direkt gar nicht betrifft. Ich kann darüber schimpfen, mir die Haare raufen, mich immer und immer wieder “Wie kann der nur?” fragen, aber ich kann auch darüber schmunzeln, lachen oder von mir aus auch lästern (ein wunderbarer Weg, negative Einflüsse in positive Energie umzuwandeln), aber Hauptsache, ich lasse mir davon mein Leben nicht kaputtmachen oder mich in meinen Entscheidungen behindern.

Okay, die Welt ist schlecht – das ist ein Schluß, zu dem ich nach so manchen Beobachtungen durchaus komme. Denoch gibt es Inseln, kleine Welten von Freundschaften, Hoffnung und Freundlichkeit. Manchmal sogar Liebe. Auch, wenn das große Ganze den Bach runtergehen sollte (ich weiß ja nicht mal, ob es tatsächlich so ist) kann ich im Kleinen gut leben. Dazu tragen vor allem meine Freunde und Bekannten bei, die mir immer wieder neue Perpektiven zeigen, neue Fragen haben, neue Herausforderungen. Stillstand ist Rückschritt, also voran und ab in die wunderbare Welt des Lala-Rosa-Optimismus.

Und wenn mein pessimistischer Freund und ich am Ende Bilanz ziehen, so werden wir wahrscheinlich beide trotz mancher Krise diese Welt überlebt haben. Aber ich werde dabei mehr gelacht und mich an Dingen erfreut haben, die er nicht mal wahrnimmt. Vielleicht nur kleine Dinge, wie ein toller Wortwitz oder mein Möhre fressendes Karnickel. Aber was zählt, ist das Lachen und all die Chemie dahinter, die es in uns auslöst.

Ach ja, fast vergaß ich zu erwähnen, daß besagter Freund nach der Diskussion den Kontakt abgebrochen hat. Ich wollte halt seiner aus meiner Sicht grenzwertig paranoiden Sichtweise nicht folgen. Naja, Zeit für ein bisschen Lala-Rosa. Es ist schade, aber die Welt dreht sich weiter. 😉

Was Probleme in meinem Leben betrifft, so werde ich davon wahrscheinlich nicht verschont bleiben. Weil ich selber Mist baue oder ein anderer es nicht gut mit mir meint. Aber solange ich nach dem Auf-die-Schnauze-Fallen wieder aufstehen kann und das Lächeln wie das Lachen nicht verloren habe, ist es gut. Dann kann ich auch in einer schlechten Welt feiern.

Hoch die Tassen!

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Twitter und das Erdbeben

Obwohl seit fast zwei Jahren in Twitter angemeldet, habe ich erst vor ein paar Monaten angefangen, “richtig” zu twittern und fleissig anderen Leuten zu folgen. Schnell habe ich Leute kennengelernt, mit denen ich mich inzwischen täglich und nicht nur über Twitter austausche. Wir reden über Fotografie, spielen Carcassonne und fülosofieren, was das Zeuch hält. Ein faszinierendes Konzept von “Social Networking”, welches auch Firmen und Spammer langsam für sich entdecken.

Diese Nacht, in der ich zufälliger- und glücklicherweise gearbeitet habe, zeigte sich mir Twitter noch von ein einer anderen Seite. Einer, die ich bisher nur aus Berichten und Erzählungen anderer mitbekommen habe… als rasantes Informations-Weiterverbreitungs-Medium.

seismoUm 2:42 Uhr lokaler Zeit gab es im Rhein-Main-Gebiet ein Erdbeben der Stärke 3,7. Nicht viel für internationale Verhältnisse, aber die eher erdbebenunerprobten Südhessen waren beeindruckt bis erschreckt. Direkt nach dem Ereignis, dem anscheinend auch noch ein lauter Knall vorausging, rief mich ein Kollege an und erzählte mir, daß nach einem plötzlichen Knall Wände und Türen gewackelt hätten und er sich nicht sicher sei, was da gerade passiert sei. Das weckte nicht nur persönliches, sondern auch fachliches Interesse, arbeiten wir beide doch für Lufthansa Systems, er in Kelsterbach in direkter Nähe zum Frankfurter Flughafen und ich in Budapest. Unsere Aufgabe: Überwachung der Server und Netzwerke und Handling eventueller (Groß-)Störungsfälle. Da ist man nach einem solchen Ereignis natürlich doppelt alarmiert und lechzt nach Informationen und Details.

In diesem Moment kam mir die Idee, doch mal in jenem Netzwerk zu suchen, das inzwischen mein tägliches  Zuhause geworden ist. Und siehe da… schon kurz nach dem Ereignis gab es ein Dutzend Tweets (Nachrichten) zum Stichwort “Erdbeben” von Leuten aus Frankfurt und Umgebung. Sie berichteten von den eigenen Erlebnissen und Ängsten, von der Überraschung eines Erdbebens in Rhein-Main, steuerten aber auch Links und andere Infos bei. erdbebenEin Twitterianer mit Beziehungen zum Geologischen Institut der TH Darmstadt steuerte wenig später Diagramme bei, andere verlinkten ein Online-Presseportal oder Meldungen der Seismischen Institute [1] [2].

So wurde die Ungewissheit darüber, was genau man denn da erlebt hat, zur schnell bestätigten Gewissheit. Zum Glück ist zumindest bei uns im Netzwerk- und Serverbetrieb alles glimpflich ausgegangen, daher konnte ich die kleine “Aufregung” eines Erdbebens in Frankfurt richtig auskosten, wenn auch gerade 1000 Kilometer entfernt.

Was mich neben der ganzen Erdbeberei aber am meisten begeistert hat, war die Geschwindigkeit und Vielfältigkeit, mit der die Twittersphäre selbst nachts um viertel vor Drei auf ein solches Ereignis reagiert. Im Nu war es möglich, andere an dem gerade Erlebten teilhaben zu lassen oder Berichte aus erster Hand zu lesen. Und das in Minutenschnelle. Aber nicht nur das… selbst wenn ein Nachrichtenmedium diese Schnelligkeit erreichen könnte, würde noch immer der Rückkanal fehlen. Hier aber kann ich die “Reporter vor Ort” direkt anschreiben, nachhaken, Details einholen. Und auch das fast unmittelbar, im Minutentakt.

Dabei schalten sich auch andere ein, denn die Kommunikation ist ja nicht mailmässig 1 zu 1, sondern 1 zu viele. Auf der einen Seite sehen all jene meine Beiträge, die mir sowieso schon folgen, aber auch alle anderen, die in Twitter gerade nach dem passenden Stichwort (hier natürlich “Erdbeben”) suchen. Dazu werden die Tweets mit sogenannten Hashtags versehen (#Erdbeben), die eine schnelle Indizierung ermöglichen. Dadurch, und durch das sogenannte “Retweeten”, also das Wiederholen von Meldungen anderer an den eigenen Empfängerkreis, gewinnt Twitter eine unglaubliche Dynamik und Geschwindigkeit, die ich diesmal live und als “part of it” miterleben durfte. Dieser Comic veranschaulicht sehr schön das Verhältnis von Twitter und Erdbeben.

Fazit: Die alten Medien sind nicht tot. Aber sie ächzen schwer. Da ich gerade erst mit einem Freund an einem Vortrag zum Thema “Mediennutzung aus Sicht eines Digital Native” mitgearbeitet habe, bin ich für das Thema zwar sensibilisiert, aber doch noch etwas theoretisiert. Diese Nacht hat mir nun einen wahrlich grandiosen Einstieg in das Echtzeitverhalten sozialer Netzwerke gebracht, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Viva Twitter!

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Da sag noch einer…

es gäbe keine Servicementalität im Einzelhandel mehr…

Eben durch das Einkaufszentrum gestromert auf der Suche nach einem Schuhlöffel (englisch “shoehorn”, wie ich dabei gleich gelernt habe ;-)). Es gibt zwar im “Westend” in Budapest jede Menge kleine Schuhläden, aber keine Löffel. Da, ein etwas größerer Salamander… Aber auch die haben nur einen Schuhlöffel Marke “Domina” für Schuhe über 50cm Höhe. Doch die nette Verkäuferin weiß trotzdem Rat und durchforstet g’schwind 😉 allerlei Schuhkartons im Lager, bis sie schliesslich stolz ein Schuhhorn von Bugatti hochhält, offensichtlich gerade einem frischen Paar Schuhe entrissen. Und dann wollen die noch nicht mal was dafür haben.

Danke, danke, lieber Salamander samt seiner Verkäuferinnen. So geht das. 🙂

Zu Hause angekommen, beginne ich meine Nachforschungen für den morgigen Tag in München, bei dem ich unter anderem auf Jagd nach Falken gehen werden. Ähmmm… nein, nicht der vermutlich schon bedrohte Raubvogel, sondern Socken der Marke Falke (genauer, die Trekking-Version TK2), welche hierzulande kaum bis gar nicht aufzutreiben sind und deren großer Fan ich bin.

Also fluggs angefangen, rumzutelefonieren, der erste Anruf führt mich gleich zum North Face-Laden in der Sendlinger Strasse, worin mich ein netter junger Mann glatt und sprichwörtlich von den Socken haut. Sie hätten zwar keine Falke-Socken, aber das komplette Falke-Programm gäbe es bei Sport-Schuster gleich am Marienplatz. Und nennt mir noch das Socken-Stockwerk mit dazu.

Geht es noch besser?

Neees, sag ich und werde morgen gleich noch einen Abstecher zu besagtem North Face-Laden machen und mich nochmal persönlich bedanken. Bei der Gelegenheit nehm ich dann auch gleich ein paar Outdoor-Hemden mit, denn die stehen – was ein Zufall – auch auf meiner deutschen Einkaufsliste.

Ach ja, und wenn wir schon beim Thema Kundendienst sind, vor einer Stunde habe ich für meinen Uralt-Mixer von Braun, dem Klassiker MX32, gleich ein paar Ersatzdeckel beim Braun-Kundenservice bestellt. Die sind dort mit 2,62 Euro aber auch erstaunlich billig und vor allem – das ist das beeindruckenste – überhaupt zu bekommen, den das Modell MX32 dürfte bald ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel haben. 🙂

Das nenne ich einen erfolgreichen Tag. 🙂

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Du sollst nicht reden über Deines nächsten Sexualität.

Diesmal sind’s die Litauer. Giessen religiöse Ansichten in ein weltliches Gesetz, nach dem Homosexualität in der Öffentlichkeit, wo sich Kinder und Jugendliche aufhalten können, nicht mehr erwähnt werden darf. 67 von 74 Stimmen befürworteten das Gesetz, alles andere als ein knappes Ergebnis. Besonders perfide ist das Argument einer konservativen Abgeordneten, daß es dadurch ja auch verboten sei, “schlechte Gefühle zur Homosexualität zu diskutieren”. Super, damit haben alle das Klassenziel erreicht.

Ich frage mich bei solchen Gelegenheiten oft, was denn die Maul-Verbieter damit eigentlich erreichen wollen. Der offentsichtlichste und auch oft genannte Grund ist der, zu verhindern, daß Kinder und Jugendliche einem schlechten Einfluß ausgesetzt und womöglich selber schwul oder lesbisch werden.

Aber, aber, liebe Litauer und andere Fundamentalisten, glaubt ihr allen Ernstes, das ändert auch nur einen Moment etwas am Ergebnis? Fragt mal die “Betroffenen” und ihr werdet feststellen, daß das Problem in Wirklicheit darin besteht, nicht über das Thema reden zu können. Wer schwule oder lesbische Gefühle in sich spürt, muss mit diesen umgehen lernen, muss herausfinden können, was mit ihm oder ihr los ist, muss für und zu sich selbst Stellung beziehen lernen. Es geht nicht um schlechten Einfluß, denn ich bin fest davon überzeugt, daß Homosexualität kein Virus ist, den man sich mal eben so beim Nachbarn einfängt, sondern etwas, daß sich so oder so entwickelt und wenn es denn so ist, nicht umgekehrt oder geheilt werden kann – Die Praxis gibt mir (aus meiner Sicht) recht. Also nützt es auch gar nichts, wenn ihr “eure Kinder” von derlei Themen fernhaltet, weil sie davon genauso wahrscheinlich schwul oder lesbisch werden wie von Erdbeermarmelade oder Dauerregen.

Nein, die wirkliche Meinungspest und Beeinflussungsmasche liegt exakt in eurem Versuch, Leuten das Maul zum Thema Homosexualität zu verbieten. Ihr wollt das Reden zensieren, wenn ihr an das Denken nicht herankommt. Ihr seid frustriert, weil eure vermeintlichen Heilungsversuche fehlgeschlagen sind, weil die Priesterseminare voll sind mit Schwulen und weil ihr den Mißbrauch von Kindern durch manche Diener Gottes nicht in den Griff bekommt. Ihr gebt euch der Illusion hin, daß sich das Thema schon erledigt, wenn nur nicht drüber geredet wird. Aber es funktioniert nicht. Schöne scheinheilige Welt, die ihr euch da zurechtlegt und schlimm genug, daß eure Saat in Ländern wie Litauen auf allzu fruchtbaren Boden fällt.

Ihr schadet Euren Kindern nur, indem ihr solche Themen von ihnen fernhaltet. Glaubt mir, es gibt für viele eine Phase, in der sie nicht wissen, wo sie hingehören, wie sie das, was sie empfinden, zu deuten haben. Es macht ihnen Gedanken oder gar Sorgen und sie möchten mit jemandem darüber reden, wollen Antworten auf die drängenden Fragen, die sich bei manchem Gefühl und mancher Verliebtheit einstellt. Ihr verweigert Euren Kindern diese Antworten und serviert ihnen stattdessen religiöse Sterotypen aus einem 2000 Jahre alten Buch.

Letzten Endes festigt die Beschäftigung mit dem Thema die Sicherheit über die eigene Sexualität, egal, ob er oder sie nun hetero-, homo- oder sonstwie -sexuell ist.

Eigentlich denke ich mir immer, daß in der heutigen Zeit der Aufklärung religiöser Fundamentalismus nicht mehr funktionieren sollte, aber ganz offensichtlich tut er das noch in vielen Ländern und Gegenden. Ganz offensichtlich gibt es – neben manch anderen steinzeitlichen Instinkten in unserem Gehirn – eine fundamentalistische Ader, die immer dann in den Vordergrund tritt, wenn sie nicht durch andere Kräfte – Verstand, Logik, Toleranz, Einfühlungsvermögen, Beobachtungsgabe – im Hintergrund gehalten wird.

Wo Vielfalt und Toleranz nicht mehr unterrichtet werden, ist die Verurteilung vermeintlich Aussätziger nah, stärkt sie letzten Endes doch den eigenen Zusammenhalt und die Identität mit den Mitglaubenden. Umso schlimmer, wenn es – wie in Litauen – bis in weltliche Lager und Gesetze vordringt, ganz abgesehen von Statten und Gesellschaftsformen, bei denen Staat und Kirche kaum noch trennbar sind. Daß dort mit Homosexeuellen noch ganz andere Dinge passieren, verwundert nicht mehr.

Religion und Glaube an sich ist ein für viele Menschen und Gesellschaften wichtiger Halt und Ratgeber und ich kenne eine Reihe gläubiger Menschen, die denoch mit Homosexualität kaum oder keine Probleme haben und die ich absolut respektiere. Wo Religion aber in Fundamentalismnus ausartet und Mitmenschen unterdrückt,brandmarkt oder direkt gefährdet, hört für mich die Toleranz auf.

Um mal nicht zu sehr schwarzzumalen, es gibt auch Gegenbeispiele und die z.B. sogar in der vermeintlich konservativen bayerischen Provinz. Wo schwule und lesbische Lehrer offen unterrichten dürfen, wo offen schwul lebende Evangeliken von Gemeinderäten zum Pastor gewählt werden, wo ein schwuler junger Mann von der SPD Bürgermeister werden kann.

Unterm Strich wird es also besser, zumindest in einigen Teilen dieser Welt. Was derweil in anderen Gebieten vor sich geht, macht mich schaudern und zweifeln an den Menschen, die doch immer wieder verfallen in die dunkle Macht aus Dummheit, Intoleranz und Ignoranz.

Quelle: Spiegel Online

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Selber-Schuld-Schock-Video

Die Hamburger Polizei veröffentlichte kürzlich ein “Schockvideo“, in dem innerorts auf der Reeperbahn ein Motorradfahrer mit 120 km/h auf einen linksabbiegenden Mercedes knallt.

Obwohl ich aus eigener Erfahrung als Ex-Motorradfahrer und Ex-Rettungsassistent weiss, wieviel haeufiger die Schuld bei Motorrad-Auto-Unfaellen bei den Vierradlenkern liegt, habe ich absolut kein Verstaendnis und Mitleid für rasende Zweiradler.

Ich bezweifle, dass das Video gegen die oft tief verwurzelte Dummheit ankommt, aber vielleicht überdenkt ja doch der eine oder andere seine “Fahrtechnik”.

Da kann ich nur sagen: Dumm gefahren gelaufen.

Quelle: Spiegel Online

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Kommentar zum x-ten Amoklauf

Dies ist das 1:1-Zitat eines Beitrages von mir in einem Forum. Es ging – natürlich – um den jüngsten Amoklauf und – wieder mal – um die Frage, wie weit Killerspiele einen Anteil an solchen Amoklaeufen haben.

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Ein Problem kann man causal (an den Ursachen) oder symptomatisch (an den Wirkungen) bekaempfen, wobei ersteres oft deutlich schwieriger ist und letzteres meist “naheliegend”. Hab ich Kopfschmerzen, schlucke ich eine Kopfschmerztablette und Ruh’ iss. Woher die Kopfschmerzen aber kommen (und wahrscheinlich sogar ein Warnsignal des Körpers sind), ignoriere ich damit. Das Ergebnis zaehlt.

Beim Thema “Amoklauf” ist die Unterscheidung IMO nicht so einfach.

Klar, symptomatisch = Kontrollen in den Schulen, keine Waffen, Metalldetektoren etc. (in den USA schon haeufig praktiziert). Was so einfach klingt, verlagert leider nur das Problem, wer nicht _in_ der Schule schiessen kann, tut dies davor oder in der Mall um die Ecke.

Auf der anderen Seite die Ursachen… ein Riesenfeld, kaum zu überblicken geschweige denn zu kontrollieren. Elternhaus, Erziehung, Mobbing etc.

Killerspiele stehen für mich genau zwischen Ursache und Wirkung. Sie sind nicht nur Ursache, aber auch nicht nur Wirkung. Wer sie spielt, hat einen Grund, sei es z.B. Spass, Herausforderung oder Kompensation. Es geht um Teamgeist, Schnelligkeit, Taktik und ich kann mir gut vorstellen, dass für viele “Killerspieler” Blut und Realismus zwar einen zusaetzlichen Kick bedeuten, sie aber durchaus zwischen Spiel und RL unterscheiden können.

Anders, wer kompensiert. Der lebt im Spiel all das aus, was er IRL nicht hat/ist/bekommt. Er kann allen Hass, Frustration und Schmerz in das Spiel packen und wird doch (oder gerade) am Ende als Sieger hervorgehen. Zumindest, wenn er das “Spiel” perfekt genug beherrscht.

Killerspiele “machen” IMO keine Killer, aber sie können in bestimmten Faellen zu Gewalt-Verstaerkung und Realitaetsverlust führen, sie können ein Katalysator sein für etwas schon Vorhandenes, einen Prozess beschleunigen oder überhaupt erst “Schein-Lösungen” für ein Problem aufzeigen. Sie können aber auch ein Ventil sein. Ist es nicht besser, den Frust über den gehassten Chef im Spiel loszuwerden als in Realitaet? Solange der Funke nicht in die Realitaet überspringt, druchaus legitim… die Gedanken sind frei.

Politiker, Geistliche und andere Tagtraeumer aber haetten gerne den perfekten Menschen, der einwandfrei funktioniert, keine dunklen Seiten aufweist und nie niemals nicht einem anderen Menschen auch nur in den leisesten Gedanken irgendeinen Schaden oder Missbrauch zufügt. Nett gedacht, aber das ist Realitaetsverlust, wie ihn kein Computergame bieten kann.

Letzten Endes ist die Frage, was wir draus machen. Die inzwischen freie Zugaengigkeit von Pornos stellt Erzieher und Erzogene ja auch vor ganz neue Aufgaben und nicht selten wird die ein oder andere Vorstellung von Liebe und Sex durch den “Schmuddelkram” (ich hassliebe dieses Wort) arg verzerrt. Andererseits wird über das Thema heute oft freier gesprochen und diskutiert als in den “guten alten” Zeiten von “Licht aus und Co.”

Also?

Ein Verbot von Killerspielen bringt denke ich nix, da bin ich derselben Meinung wie Phipz. Wer sich das Zeug besorgen will, wird es im Internet auch finden, zudem wird ein Verbot den Kick nur erhöhen. Und selbst, wenn ein Verbot den ein oder anderen Seiteneffekt lindern würde, hiesse es doch das Kind mit dem Bade ausschütten.

Kontrollen an Schulen sind auch ein netter Versuch, der das Leben vielleicht ein wenig friedlicher gestaltet, aber keinen sicheren Schutz bietet.

Was bleibt? Die schwierige Aufgabe, wirklich an die Ursachen heranzukommen. Die Aussage der Schulleiterin, dass ihr nicht bekannt sei, dass der Amokläufer Tim K. “in irgendeiner Form gemobbt wurde oder dass er gewalttätig war”, ist dabei schon blanker Hohn. Nicht bekannt = nicht existent? So viel Betriebsblindheit muss man erstmal aufbringen, zumal die Aussagen von Mitschülern und ein Chatauszug anderes bezeugen. (Nachtrag: Wie sich herausgestellt hat, war der Chatauszug mit der vermeintlichen Ankündigung gefaelscht!)

Der Lösungsweg ist also nicht einfach, ganz im Gegenteil. Er ist komplex, involviert unzaehlige Institutionen und Personen, kostet Geld und bringt auf kurze Sicht weniger Waehlerstimmen als der schnelle Schrei nach Verboten. Aber er ist vermutlich der einzige Weg, der funktioniert.

Jedenfalls braucht es mehr Besonnenheit statt Überreaktion. Kontrollen und Verbote gibt es schon genug, Verantwortung für das, was in unseren Köpfen aber passiert, möchte keiner übernehmen. Das waere ja auch zu viel verlangt. 😉

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Wochenenddank

Ein tolles Wochenende neigt sich mit 850 km/h dem Ende zu. Das entspricht ungefähr der Geschwindigkeit des Airbus A319, indem ich mich gerade mitsamt diverser Süßigkeiten (Duplo, Lindts 85-prozentige…) im Pack wieder der momentanen Heimat Budapest nähere.

Irgendwie hat (fast) alles gestimmt an diesem Trip und da das “fast” in diesem Satz zwei mir (glücklicherweise) vollkommen unbekannte Personen betrifft, bleibt für alle anderen, die ich noch erwähnen werde, eine Extra-Portion Großes DANKE. Ihr hattet alle einen Anteil am Gelingen, sei es, weil ihr meinen kleinen Trip überhaupt erst möglich gemacht habt, weil ihr mir in Buchholz, Hannover oder Hamburg eine sehr nette Gesellschaft wart oder weil ich mit Euch über 500 oder 1000 Kilometer einen spannenden Chat führen durfte, während ich gerade am Gate in Hamburg oder im Flieger in Frankfurt gesessen habe.

Als am Dienstag der Ruf nach Hannover ertönte, war ich mir erst nicht sicher, ob ich ihm folgen sollte. Auf der Cebit war ich noch nie gewesen und eigentlich hatte es mich auch nicht wirklich hingezogen. Aber daß da jemand von meinen Freunden tatsächlich eine Einladung einer Firma erhält, so mit Bahnticket und Eintritt und so, das war neu. Nach dem innerlichen GO kam die äußerliche Organisation. Dienst tauschen (um nicht direkt von der Nachtschicht in den Flieger zur Messe steigen zu müssen) und mich um einen Schlafplatz kümmern. Denn so viel war klar… nach der Messe würde ich als Standby’ler flugmässig nicht mehr von Hannover wegkommen – alle Flieger von Samstag und Sonntag nach FRA oder MUC waren bereits überbucht. Und dann gab es ja noch eine ganz andere Idee…

Beides (Diensttausch und Unterkunft) gestaltete sich zuerst schwierig. Die “Requests” waren rasch losgetreten, aber bis zum Eintrudeln der Antworten verging eine gespannte Weile, schliesslich aber war alles unter Dach und Fach und Sack und Pack und überhaupt. Danke, Rainer! 🙂

Dank der losgewordenen Nachtschicht und einer spontanen Zusage für eine Übernachtungsmöglichkeit bei Hannover (trotz später Anfrage) konnte ich sogar schon am Freitag fliegen. Also ab zum Flughafen, es war Freitag, der 6. März, mittags.

Ein kleines Hinderniss tat sich auf, weil der Flug BUD-FRA Verspätung hatte. So war der Anschluss nach HAJ (Hannover) nicht zu bekommen. Während ich aber noch im Kopf die Alternativen durchspielte (Zug ab FRA etc.), kam schon die Ansage… “Passagiere gebucht nach Hongkong, Paris und Hannover bitte am Gate melden”. Die fleissigen Damen waren bereits damit beschäftigt, meine Reise zu retten und mich über MUC umzubuchen. Nicht nur das, zwei nette Fensterplätze waren auch gleich inbegriffen, was für einen PAD schon fast Luxus ist. Danke, Lufthansa. 🙂

Am Flughafen Hannover wurde ich sogleich in Empfang genommen, trotz der zweistündigen Verspätung durch die Umbuchung klappt alles super, die private Unterkunft kann man nur als absolut gelungen bezeichnen. Gästezimer unterm Dach mit zwei bequemen Betten, eigenes Bad und ein toller Ausblick aus dem Dachfenster auf Feld, Wald und Wiese. Ein nettes und anregendes Gespräch mit leckeren Äpfeln und lustigen Geschichten am Küchentisch, gefolgt von einer Wii Sports-Rundreise (ausser Golf ;-)), welche den Abend perfekt und mit viel Spaß abrundete. Am nächsten Morgen nochmal gut unterhalten und zum Bahnhof gebracht werden, ein kostenloses CeBit-Ticket im Gepäck… besser geht’s nicht. Danke Birgit und Mike. Danke, Alex. 🙂

Vor der Messe schnell ein Bahnticket nach Hamburg gekauft und sogar noch einen Sitzplatz bekommen. Dazu noch sehr freundlich bedient worden. Danke, Bahn. 🙂

Die S-Bahn zur Messe war voll. Also ich meine Voll, um nicht zu sagen VOLL. Was dem Spaß keinen Abbruch tat, vor allem, als eine Horde Jugendlicher die große Behindertentoilette mitnutzen wollte und kurze Zeit später wieder rauswollte, vermutlich weil sie noch nicht so dufttolerant waren, wie man es sich mit zunehmendem Alter und Flatulenz schonmal antrainiert.

Am Messebahnhof perfektes Timing. Just in dem Moment, als ich von meinem Ankunftsgleis 12 zu Gleis 16 gewechselt war, fährt auch schon der ICE aus München ein und mit ihm der Star des Tages: Phipz.

Der Messetag war einfach genial. Ich hatte ein paar Pläne gemacht, Vorträge rausgesucht, die mich interessieren, Hallen ausgelotet. Am Ende stand der Tag aber doch immer wieder im Zeichen von Zarafa und jenem Messestand, an dem Phipz spontan einen Vortrag über Z-Push halten würde, quasi die Live-Version einer seiner Podcastfolgen. Naja, kein Wunder, schliesslich war dies ja auch der Hauptgrund des ganzen Ausflugs. Zwischendurch sind wir immer wieder über die Messe gestreift, haben jede Menge Fotos geschossen und uns immer wieder über lustige Leute und Ausstellungsobjekte amüsiert. Von den geplanten Vorträgen hab ich keinen einzigen gesehen, aber auch nicht vermisst. Es war einfach gut, so wie es ist und wer hält da schon noch an einem Plan fest?

Die Leute von Zarafa waren auch sehr nett, sie gaben uns nicht nur die Möglichkeit, unser Zeug unterzubringen, sondern richtiges VIP-Feeling und Verpflegung obendrein. Spannend war auch, mit einer Internet-Bekanntheit wie Phipz durch die Hallen zu ziehen. Mehrmals wurde er von anderen Besuchern angesprochen… “Du bist der Phipz mit dem iPhone-Podcast, oder?”… ein paar Neugierigkeiten befriedigt und sogar Fotos “mit dem Star” geschossen.

Ansonsten war die Größe der Messe erschlagend und hinterließ den dringenden Wunsch, nächstes Jahr wiederzukommen, am besten natürlich mit mehr Zeit. Dann ist sicherlich auch Gelegenheit für den ein oder anderen  (nicht selbst gehaltenen ;-)) Vortrag und eine Pause zwischendurch.

Nach der Messe war Hamburg angesagt, einen sehr guten Freund wiedersehen und natürlich vieeeeel zu quatschen haben. Dazu Wii zocken, was much more Spaß machte als zu Hause gegen den Compi. Wir waren gleichauf, konnten uns gegenseitig über den Tenniscourt scheuchen und stellten überrascht fest, wie eingleisig und vorgeproggt die Gegner der Wii doch sind. Lecker Waffeln und ein gemütlicher, gesprächlich angeregter Stadtparkspaziergang rundeten den Sonntag ab. Flughafen-Transfer inklusive. Danke, Björn! 🙂

Am Gate in HAM war noch Zeit, also kramte ich das Macbook hervor und flugs wurde ein Chat mit einem guten Freund in der Schweiz gestartet. Ohrhörer rein, als Mikrofon hielt das des Macbooks her. Krasse Neuigkeiten galt es über den Skype’schen Äther zu schicken und die unfreiwilligen Mithörer um mich herum waren schon das eine oder andere Mal ob der deutlichen Worte erstaunt, die dieser Typ da mit seinem Laptop wechselte. Sowas hatten sie noch nicht allzuoft gesehen (und vor allem gehört ;-)). Danke, Cédric. 🙂

Bevor die Umsitzenden den Klapsentransport holen konnten, wurde geboardet. Im fast ausgebuchten A321 fand ich mich auf einem Mittelsitz zwischen einem Herren zu meiner Linken wieder, welcher offensichtlich den geistigen Getränken zu oft und zu viel zuspricht und entsprechende Düfte aussondert und einem älteren Sonderling zur Rechten, der mich an jene netten Onkels in amerikanischen Thrillern erinnert, die sich schliesslich als psychopathische Serienkiller herausstellen. Um nicht zu irgendeiner Form paranormaler Kommunikation genörigt zu werden, setzte ich die üblichen Abwehrmittel ein wie Kopfhörer und Schlafsimulation. Leider musste ich den gesamten Flug über das Frischluftgebläse direkt auf mein Gesicht richten, um nicht dem Gestank des C2’lers ausgesetzt zu sein, während auf der anderen Seite Mister Unheimlich konstant an seiner Riesenzeitung bastelte, die umdrehte, neu sortierte und schliesslich verwarf. Er las nicht wirklich, sondern musste nur irgendwas tun, schien wie ein auf 300 Prozent laufender Motor, welcher im nächsten Moment durchzudrehen und zu verglühen drohte. Ich wusste nicht, daß ADS soooo lange anhalten kann.

Schliesslich hatte ich es geschafft, das rettende Gate war erreicht und ich wurde aus der psychopathischen Alkoholikerbüchse gerettet. Danke, A17! 🙂

(Ja, Ihr habt es gemert, das war das “fast”, von dem ich ganz am Anfang sprach ;-))

Wieder wurde am Gate getschättet, dieses Mal nicht mit der Schwyz, sondern mit Burgau, wohin CeBit-Star Phipz inzwischen wieder zurückgekehrt war. Wie es das Stardasein so verlangt, mussten wir den Video-Chat unterbrechen, weil er zu einer Live-Schaltung in die Mac-TV-Sendung musste. Dort berichtete er von den Vortageserlebnissen auf der CeBit, belegt mit allerlei Fotos, die vor allem wohl von wem gemacht wurden? Naaa? Danke, Elmar. 😛

(Nachtrag: Die Foddos wurden natürlich von Phipz und mir gemacht. Die ersten drei in diesem Post sind z.B. von Phipz!)

Wieder im Vidchat kam uns wenig später das Boarding dazwischen, also setzten wir die Session im Flieger fort. Hehe, das war neu. Videochat zwischen LH3448 und dem Schwabenländle, Liveberichte von Sitz 20A, “Boarding completed”. Spätestens mit Türen zu und Pushback aber kamen wir zum Ende, denn nun hieß es “Elektronische Geräte bitte ausschalten”. Klasse war’s.

In BUD angekommen konnte ich sogar noch mit einem Arbeitskollegen mitfahren, welcher auf dem selben Flug wie ich gewesen war, was mir die Taxikosten ersparte. Danke, Jürgen. 🙂

Ja, Leute… so ist das. Manchmal ist ein One-to-One, man trifft sich mit jemand und hat eine gute Zeit. Manchmal aber haben auch ganz viele verschiedenste Leute Anteil daran, daß es einem gut geht und das Leben schön ist. Denen wollte ich einfach mal DANKE sagen, es ist toll, daß es Euch gibt.

Danke Rainer, Birgit, Mike, Alex, Björn, Cédric, Jürgen und natürlich an Phipz, ohne den dieses Wochenende gar nicht so passiert wäre.

Und Danke an die Ungenannten all der anderen Tagen und Wochen, die einfach da sind. 🙂

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Paparazzo-Seele???

Das ist der Hammer… da haben Beckham und seine Leibwächter einen Paparazzo vermöbelt. Nix Neues und auch kaum eine Träne wert… aber nun verklagt das “Opfer” Herrn Beckham wegen… man lese und staune… “körperlichen und seelischen Schadens”.

Okay… Verprügeln geht zu weit, körperlich kaputtmachen verbietet das Gesetz. Aber beim Thema “Seelischer Schaden” stellt sich doch die eindeutige Frage nach Ursache und Wirkung, Henne und Ei, Opfer und Täter.

Zu gern betrachten sich Paparazzi als Erfüllungsgehilfen, die ja schliesslich nur das liefern, was die breite und dumme Masse will. Das, meine Herren Berufsspanner, hat aber noch nirgendwo gezogen, weder an der DDR’schen Grenze noch bei den Auftragskillern der Mafia.

Letzen Endes sind Parazzi nichts anderes als das letzte Glied einer perversen Kette aus Sensationsgeilheit und “legaler” Spannerei, die Finger eines Abschaumkörpers, der sich darin suhlt, angeblich im Auftrag ihrer Klientel oder gleich der ganzen Gesellschaft zu handeln und sich nur zu gerne auf das “Recht auf Information” beruft.

Ich bin für das “Recht auf Gegenwehr”, nicht im Sinne von Selbstjustiz, sondern allegenwärtiger Notwehr. Wer von Paparazzo einem Paparazzo (seelisch!) gequält wird, sollte sich wehren dürfen. Und Paparazzi, die daraufhin einen “seelischen Schaden” reklamieren, gehören in die lebenslange Auslachkammer.

Fazit: Liebe Boulevard-Spanner, lest mal zur Abwechslung ein gutes Buch über das Ursache-Wirkungs-Prinzip. Vielleicht versteht Ihr es nicht gleich, aber Ihr werdet den Effekt spüren, wenn Ihr den Job wechselt. Das Leben kann doch sooooo schön sein. 😉

Quelle: Spiegel Online

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Ein Verlust, aber vor allem eine Herausforderung

Steve Jobs’ Erscheinung auf der WWDC am 11. Juni 2008 war erst der Anfang. Schon damals machten angesichts eines mageren, kraenklich erscheinenden Jobs Gerüchte über eine Wiedererkrankung die Runde, doch die Mutmassungen verliefen sich in den folgenden Monaten.

Seit Apple Mitte Dezember bekanntgab, dass die Keynote der MacWorld 2009 nicht von Jobs gehalten werden würde, kocht die Gerüchtesuppe umso heftiger.

Gizmodo malte gestern um 12:45 den Teufel an die Wand… es sei alles noch viel schlimmer als angenommen. Dan Frommer zitiert 45 Minuten spaeter in Alleyinsider gegenteilige Stimmen: Alles Blödsinn, Steve Jobs gehe es gut, die Gründe für sein Nicht-Erscheinen liegen ganz woanders.

Wo auch immer das hinführt, es ist einen Gedanken wert, was eine Person wie Steve Jobs für Apple bedeutet und vor allem, was geschieht, wenn sie einmal nicht mehr da ist. Ich meine, wir sollten mit dem Nachdenken darüber frühzeitig anfangen, um gewissermassen gerüstet zu sein, wenn es einmal soweit ist. Gerüchte forcieren bringt nichts ausser Unruhe, aber sich den “Worst Case” und die möglichen Konsequenzen vor Augen zu führen, kann den Schock lindern helfen, wenn es denn eines Tages soweit ist. Dabei geht es mir persönlich vor allem um Gefühle.

Mein Glaube: Jonathan Ive,  Phil Schiller, Bob Mansfield und all die anderen werden den Laden weiter rocken, wenn Steve einmal abtritt, aber sie brauchen dazu vor allem eines – das Vertrauen der Macianer. Und das Bewusstsein, dass wir im Laden nicht Steve kaufen, sondern ein Apple-Produkt, erdacht, entworfen und realisiert von einem Haufen Leute, die nicht spontan mit Steve von dieser Erdkugel verschwinden werden. Wir treffen unsere Entscheidung für oder gegen ein iPhone oder ein MacBook ja nicht aufgrund charismatischer Praesentationen in Cupertino oder San Francisco, sondern weil es einfach gute Produkte sind, die auf dem Markt eine ganz eigene Daseinsberechtigung haben. Dass Apple dazu bisher eine ganz eigene und einzigartige Show gemacht hat, und das ganz ohne schwitzenden Affen, ist ein nettes Goodie, aber nicht der Kern des Erfolgs.

Ich glaube auch nicht, dass die Apple-Konsum-Vibrations mit dem Abgang des CEO plötzlich nachlassen. Was war das doch für ein Gefühl… jahrelang bin ich ganz ohne Apple-Produkte ausgekommen (nachdem ich nach OS 8.5 die Mac-Welt verlassen habe), dann kam 2006 mit dem Intel-Mac Pro das perfekte “All in One” (Mac, Windows, Unix) ins Haus und spaeter Macbook Pro, Mac mini, diverse iPods und ein iPhone dazu. Ich würde mir auch noch einen iMac kaufen und noch mehr iPods, wenn ich das nur irgendwie vor meiner mentalen Finanzverwaltung rechtfertigen könnte. Apple ist sexy, Apple macht Spass, Apple ist einfach geil (mal von unverzeihlichen Glossy- oder Firewire-Fehltritten abgesehen). Natürlich konnte und kann ich auch das Missionieren nicht lassen, habe aber zur Vereinfachung meine Antwort auf die vielgestellte Frage, was denn nun am Mac so toll sei, mal in Form gebracht.

Nein, ich habe keine Angst um Apples Produkte und deren Kraft und Inspiration. Ich fürchte vielmehr das haemische Grinsen der uninspirierten und phantasielosen Mitbewerber, wenn es eines Tages soweit ist. Gerade jene werden den Gerüchten und Gefühlen Nachschub verleihen wollen, dass es mit einem Abgang Steve Jobs’ auch mit Apple bergab geht, gehen muss. Sie werden sich die Finger lecken für dieses “Geschenk”, für das sie selber nichts tun müssen, nachdem sie laengst erkannt haben, dass sie es innovatorisch sowieso kaum mit dem Obst aus Cupertino aufnehmen können. Die Plattitüden von Schweissbacke Ballmer, der ja auch über jenes iPhone herzog, dass inzwischen zu einer Erfolgsgeschichte wurde, könnten zu viel Substanz bekommen, wenn wir nicht mit all unserer Überzeugung und unserem Vetrauen entgegenhalten.

Es wird eine harte Probe werden, wann immer sie auch kommen wird, und ich hoffe nur, sie wird nicht an den bescheuerten Aktienmaerkten entschieden, wo ja jeder schon rumpienzt, wenn der CEO mal hustet.

Die Apple Community ist eine rasant wachsende Gemeinschaft, was ihr (das hat sie wohl mit der Schwulenbewegung gemeinsam) leider immer nicht gut getan und manche Gruppendynamik eingebracht hat. 10 Leute müssen zusammenhalten, aber 100 spalten sich schon in Grüppchen.

Dem Redmonder Riesen aber können wir nur gemeinsam entgegentreten.

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Der Tag, an dem die Erde stillstand

Ein Remake.

Ja, genau, liebe Leutz… Das wissen vermutlich nicht mal mehr die mittelalterlichen unter Euch. Für diesen gerade erschienen Film mit Keanu Nuschel-Reeves gibt es eine fast schon historisch zu nennende Vorlage aus dem Jahr 1951, seinerzeit geregisseuret von Robert Wise. Der, das nur nebenbei, später auch verantwortlich zeichnete für “Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All” (1971) und “Star Trek – Der Film” (1979).

1951 war “The Day The Earth Stood Still” ein inhaltlicher Aussenseiter, einer der wenigen Filme, die sich nicht der üblichen Anti-Roten-Hetze McCarthys anschliessen wollte, sondern stattdessen eine halbe, aber denoch eindrucksvolle pazifistische Nachricht rüberbringen wollte: “Leute, hört auf, Euch zu kloppen, sonst müssen wir Euch plattmachen”. Die Erde war zum Störfall im Universum geworden und Klaatu gekommen, die Menschen vor die Wahl zu stellen: Einsicht oder Untergang.

Natürlich taten die Menschen, was sie immer gerne (in und manchmal auch ausserhalb von Kinofilmen) tun: Paranoid werden, Angst haben, schwere Geschütze auffahren. Was der Bauer nicht kennt, das schlachtet er ab. Klaatu wird verletzt, kommt ins Krankenhaus, aber die Menschen, ignorant und arrogant, verpassen die Chance auf eine wirkliche Kontaktaufnahme. Klaatu haut ab, mischt sich unter die Menschen, wendet sich an die Wissenschaft. Zum Finale (bei dem die Menschheit gerade nochmal mit einem blauen Auge davonkommt) gibt es einen bemerkens- und erinnernswerten Apell Klaatus an die Menschheit, den sich damals all auf ihre Fahnen – ob mit Hammer und Sichel oder Sternen und Streifen – hätten schreiben sollen.

Soweit, so alt. Die Zeiten haben sich gewandelt, die “rote Gefahr” ist (mehr oder weniger) gebannt, andere sind geblieben. Dazu ein neues Feindbild, so herrlich undefiniert, daß es nie wirklich zu besiegen sein wird. Eigentlich eine gute Vorausetzung für Regisseur Scott Derrickson (Derricks Sohn???) und die dahinterstehenden Schreiberlinge, die Geschichte aufzupolieren und den Gegenwarts-Gegebenheiten anzupassen.

Ein Versuch, der leider gründlich in die Hose gegangen ist.

Zuerstmal die Besetzung: Keanu Reeves mag als “Schauspieler” ziehen, wenn der Stoff stark genug ist (siehe Matrix), hier aber ist er dank nicht vorhandenen schauspielerischen Talents vollkommen untergegangen. Die Rolle des Klaatu ist schwierig und differenziert. Er muß den Frieden predigen und fordern, gleichzeitig aber mit dem Schlimmsten drohen, das er der Erde gegenüber aufzubieten imstande ist – der totalen Vernichtung. Diesen Widerspruch heisst es zu “verwalten”, Keanu Reeves hat ihn schlichterweise ignoriert.

Kathy Bates als hilflose Vertreterin der Regierung und John Cleese als “Der Wissenschaftler” sind in ihren Rollen eher unfreiwillig (?) komisch als in irgendeiner Art und Weise passend und angemessen. Alle weiteren Rollen dienen ausschliesslich dazu, im richtigen Moment Signale von Handlung auszusenden, die der Reihe nach aus den üblichen Schubladen gezogen werden: Auftritt des Militärs / Das Böse, das uns vernichten will / Die Wissenschaftlerin, der keiner glaubt / Das unschuldige Kind / Die Vernichtung etc.

So spult der Film ein Klischee nach dem anderen ab und scheut sich nicht, gleich zu Beginn mit Pauken, Trompeten und allerlei Krach Banalitäten im Quadrat aufzufahren: Die Invasion der Aliens, das Militär als Begrüßungskomitee, die Selbstverständlichkeit eines “Unser Land wird angegriffen” inklusive nachfolgendem “Homeland Security Orgasm”. Szenen von der Stange, die man alle schon mal (und besser) woanders gesehen hat. Es bleibt nur das vorübergehende Fazit: Die USA haben den 11. September noch lange nicht verkraftet, im Gegenteil. Perfekt bedient das zementierte Szenario immer und immer wieder Filme und Gesetze.

Dabei haben sie in diesem Fall gar nicht mal so Unrecht, immerhin kommt Klaatu, um die Erde zu vernichten. Aber nicht wegen Öl oder Ankurbelung der eigenen Rüstungsindustrie, sondern, weil die Aliens da draussen genug davon haben, wie wir mit “unserer” Erde umgehen. Resultat der intergalaktischen Abstimmung: Die Menschen vernichten, andere Arten retten (das Arche-Noah-Prinzip) und neu anfangen. Beeindrucken konsequent und logisch. (In der Tat wäre das wohl für die Erde die beste Lösung – Anm. d. Red.).

Verständlicherweise schliessen sich die Menschen dieser Betrachtungsweise nicht unbedingt an, wollen vielmehr weiter- und überleben und beschwören gar, daß sie es schaffen könnten, die Kurve zu kriegen. Dazu zeigen sie ein bisschen, wie sie ihre Kinder lieben und sich gegenseitig und wie mitfühlend sie doch sein können. Dieses “Herumkriegen” Klaatus gehört zum Lächerlichsten und Unglaubwürdigsten, daß filmische “Gib mir noch eine Chance”-Szenarien der letzten Äonen gesehen haben.

Was beim durchschnittlich konditionierten Kinozuschauer tränendrüsendrückmässig funktioniert (jetzt bitte mitleiden, jetzt lachen), sollte einen Alles-Oder-Nichts-Entscheider wie Klaatu doch erstmal professionell unbeeindruckt lassen. Stattdessen endet der Film wie eine Lachnummer genau in dem Moment, wo das bisserl Weinen Erfolg gezeigt hat und die schon laufende (und verdiente) Zerstörungsaktion der Erde durch Klaatu abgebrochen wird.

Hier hätte der Film noch die Chance gehabt, das Desaster der vergangenen 100 Minuten wenigstens ein wenig aufzufangen und ganz im 1951er Sinne abzuschliessen mit einem Apell, einer Rede, einer Besinnung. Stattdessen: Abspann und raus.

Sogar einer der wichtigen Schlüsselszenen des Originals fehlt, in welcher Gort, der Roboter mit den Worten “Klaatu barada nikto” beim Kampf gegen die Menschen gestoppt wird und stattdessen den eigentlich tödlich verletzten Klaatu wiederbelebt.

Das Ende war für mich (neben dem grausligen Anfang) der flachste Moment des ganzen Films: Das Sich-Zufrieden-Geben, das Noch-Mal-Glück-gehabt, die oberflächliche und nichts hinterfragende Erleichterung. Wie das Kind, daß beim Klauen erwischt wird, angesichts der zu erwartenden Strafe erschrickt, heult, verschont wird und schon Minuten später wieder ganz woanders mit seinen Gedanken und Taten ist.

So haben die Menschen wie die Macher des Remakes die grosse Chance verpasst, wirklich etwas mitzunehmen, zu lernen. Sie haben sie ein bisschen erschrecken lassen, nun wird aufgeräumt und dann geht’s ab zu Pizza Hut.

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Achtung: Alois gefährdet Ihre Weltsicht

In einer sogenannten Festtagsansprache an seine Mitpatienten und Pflegekräfte hat Joseph Alois Ratzinger (genannte “Der Papst”) erneut gezeigt, daß er noch immer den Wahnvorstellungen und Phantasien erlegen ist, die im April 2005 zu seiner Einweisung in die Heilanstalt “Vatikan” geführt haben.

In seiner Rede spricht der 81-jährige immer wieder von einem “Schöpfer” und der “Schöpfung”, von “Glauben” und von “Gott”. Wie es scheint, hält er diese Irrealitäten für tatsächlich existent und baut auf dieser Basis eine ebenso absurde wie gefährliche Theorie auf, die er als “Wahrheit” bezeichnet und zum Anlaß nimmt, den Menschen ihre Selbstbestimmung abzusprechen.

Ein Videoclip auf Spiegel Online berichtete direkt aus der Anstalt, hier ein Auszug aus der Wahnrede:

“Das, was mit dem Wort Gender gemeint ist, führt unweigerlich zu einer Selbstemanzipation des Menschen vor der Schöpfung und dem Schöpfer. Der Mensch will immer und ausschlieslich über sich bestimmen und selbst entscheiden. So lebt er aber gegen die Wahrheit, gegen den Schöpfergeist. Und so sei es die immerwährende Aufgabe der Kirche, die Menschheit vor ihrer Selbstzerstörung zu schützen.

Wir brauchen eine Art Humanökologie. Die Kirche muss dafür eintreten, daß die Ordnung der Schöpfung und die Natur des Menschen bewahrt wird. Der Mensch wurde als Mann und Frau geschaffen und das ist keine überholte Metaphysik, sondern es geht dabei um den Glauben an den Schöpfer und darum, auf die Sprache der Schöpfung zu hören. Deren Mißachtung ist eine Selbstzerstörung des Menschen und somit eine Zerstörung des Werkes Gottes.”

Es ist kaum überraschend, daß sich die mit Herrn Ratzinger einsitzenden Patienten infolge ihrer Labilität von dessen Worten manipulieren und mitreissen lassen. Erschreckender ist aber vielmehr, daß ausserhalb der Anstalt eine große Anzahl von Menschen den Worten und vermeintlichen Lehren Ratzingers folgt und praktische Nächstenhiebe austeilen, wie auch dieses Jahr wieder zahlreichst geschehen.

Offensichtlich konnte der Prozess der von J.A.R. kritisierten “Selbstemanzipation des Menschen “bei den Betroffenen erfolgreich unterbunden werden, ein kleines Buch mit Anweisungen (die sogenannte “Bibel”) und der regelmässige Besuch konspirativer Veranstaltungen (sog. “Messen”) reicht zur Gehirnwäsche und Fernsteuerung vollkommen aus.

Bleibt nur zu hoffen, daß sich nach der zum Jahresende gewohnt aufgeheizten Stimmung (dank zahlreicher angezündeter Kerzen auf Tannenbäumen) die hitzigen Kontroversen wieder in ausgelassenen Schneeballschlachten entladen können. Neue Untersuchungen haben gezeigt, daß selbst die extremsten Fälle theistischer Wahnvorstellungen durch spielerische Kämpfchen im kalten Weiß abgemildert werden können.

Da es rund um die Anstalt aber doch eher selten schneit, werden die Patienten der Anstalt “Vatikan” noch heute auf eine abgelegene Bärenfarm in Alaska ausgeflogen, wo sie die nächsten Jahre zusammen mit Bären und Lachsen verbringen werden. Die Nähe zum Nordpol könnte zwar – gerade in diesen Tagaen – diversen Halluzinationen von Weihnachtsmännern und fliegenden Schlitten Vorschub leisten, doch dies ist ausgesprochen vertretbar angesichts des Schadens, den ihre bisherige Anwesenheit in der Anstalt “Vatikan” ausgelöst hat.

Mehr zum Schaden hier.

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Endlich iPhone

Es ist vollbracht, nach über 5 Stunden Warten konnte ich heute morgen um 1:11 Uhr endlich den Vertrag für das heissersehnte iPhone 3G unterschreiben und loslegen. Lasst mich erzählen, das meiste schon gestern abend getippt, aber mangels (freiem) WLAN erst jetzt gebloggt.

Vollkommen ahnungslos tauche ich um 19:50 am T-Pont MOM-Park (einer eher kleinen Mall in Budapest) auf. Der Laden liegt am Ende eines Seitenganges und ich bin sehr überrascht, daß dieser Gang vollkommen leer ist. Sollte ich tatsächlich der erste sein. Dann meint ein Security Mensch, der gerade den Laden schliesst, hinter einer Tür am Ende des Ganges würde ab 20 Uhr das iPhone verkauft werden. Oha…! Man sieht etwas Bühnentechnik rumstehen, es wirkt wie ein Veranstaltungsraum. Aber kann ich da so einfach reingehen?

Ich tue es und stehe… wieder auf der Strasse. Tatsächlich ist dies ein (Not)-Ausgang und T-Mobile hat in diesem Aussenbereich der Mall einiges für die heutige Nacht aufgebaut. In grossen Lettern wird der Countdown an die Wand geworfen, in einer abgesperrten Warteschlange stehen 10 Stühle (für die “berühmten” ersten 10, von denen später auch ein Foto gemacht werden wird), ich bekomme ein Armband und befinde mich nun irgendwo auf Platz 13 (hmmm… bringt das Glück…? Dann bilde ich mir doch eher ein, auf Platz 14 zu sitzen.)

Es ist noch ausgesprochen wenig los, doch schon jetzt laufen nette Damen von T-Mobile herum, verteilen Getränke und Snacks. Ein Videoteam spricht mich an, macht Interviews mit den Wartenden. Sie lassen sich nicht davon abschrecken, daß ich so gut wie kein Ungarisch spreche, flugs wird ein Kollege organisiert und wir drehen in Englisch. Bestimmt  erhöht das den internationalen Charakter der Veranstaltung. 😉 Und ich verstehe nun, warum manche (nicht gestellte) Interviews klingen wie perfekt gestylte Werbespots. Was ich in diesen Minuten losgelassen habe, war wirklich PR-reif. 😛

Die Zeit verrinnt, immer mehr Getränke und Sandwiches werden herangebracht, dazu Äpfel und Gebäck. Ein paar Breakedancer legen eine Tanzeinlage hin, ein Moderator erzählt über das ganze Drumherum… anscheinend sind es nur 4 Länder, die diese Nacht mit dem iPhone beglückt werden.

Anfangs habe ich ja noch versucht, mir die Zeit mit einem Film zu vertreiben, aber diese Art von Event habe ich gar nicht erwartet und so ist es inzwischen natürlich viel spannender, hier zuzuschauen und mitzumachen, als die ganze Zeit einen Film zu schauen, den ich auch zu Hause sehen kann.

Inzwischen hat sich auch hinter mir eine Schlange gebildet, nachdem die erste Stunde (bis 21 Uhr) nicht viel passiert war und ich schon dachte, daß ich auch leicht später hätte kommen können. Man fühlt sich ja gleich besser, wenn man weiß, daß Platz 14 nicht der letzte ist, sondern noch jede Menge nach einem kommen und es sich gelohnt hat, so früh da zu sein.

Es geht weiter mit den Unterhaltungseinlagen, ein Beatboxer tritt auf, wirklich bühnenreif und zum Schluß legen die Breakdancer zum Beatboxsolo los. Ein Quiz oder sowas wird veranstaltet, immer wieder laufen irgendwelche Filmteams und Fotografen rum und lichten einen ab. Das Wichtigste aber in dieser Nacht, das ist allen klar, ist und bleibt das iPhone 3G. Darum sind wir hier, darum sitzen wir uns den Arsch wund, diese Neugier vereint alle hier, ob innerhalb oder ausserhalb der Schlange.

Noch 37 Minuten bis Mitternacht, inzwischen werden Nummern vergeben, ich habe die schöne 18 bekommen (bin nun sozusagen volljährig). Ein Modell durfte ich auf dem Papier auch schon wählen (natürlich das 16 GB in schwarz) und ich war erstaunt, wie viele das schwarze 8 GB und vor allem das weiße  16er nehmen. So beliebt, wie ich zuerst dachte, scheint also das schwarze 16 GB gar nicht zu sein. Für einen Apple-Fan, so dachte ich immer, kommt nur schwarz in Frage, aber dann erzählt jemand, daß viele sich gerade deswegen das weiße holen, weil sie schon ein weißes Macbook haben und das iPhone “fehér” dann natürlich perfekt dazu passt. Hmmm… stimmt.

Ein paar Trommler treten auf, die auf Plastikfässern spielen, aber das schon ziemlich Stompmässig. Sie Direkt neben sind nun auch zwei sympathische Jungs, einer von beiden (Patrick) hat all die Stunden hier verbracht, um für seinen Vater, der inzwischen ebenfalls eingetroffen ist, eine gute Startposition zu ergattern. Ich bin überrascht, daß Patrick sehr gutes deutsch spricht, aber als ich mich dann noch länger mit seinem Vater unterhalte, wird klar, warum. Es gibt in Ungarn viele Familien mit (teils) deutscher Abstammung, vor allem aus dem Schwäbischen kommen viele. David besucht eine österreichische Schule in Budapest, sein größerer Bruder David, der ebenfalls da ist, hat dort gerade Abitur gemacht und studiert nun in Wien BWL. Nicht zuletzt ein Glück für mich, denn David wird sich noch als perfekter Dolmetscher entpuppen. 🙂

Ich glaube nicht, daß es irgendein anderes Mobile Phone gibt, daß mit solch einem Enthusiasmus und solch einer Begeisterung empfangen wird. Das iPhone ist Teil einer noch viel größeren Familie und wer einmal drin ist, lernt schnell weitere weitere Familienmitglieder kennen. Überall sieht man hier Leute mit MacBooks, auf den ersten drei Plätzen sitzen darum auch gleich Leute mit 3 Macboks. Selbst meinem Interviewer vorhin war angesichts meines Macbook Pro sofort klar, daß ich ein Apple-Fan sein muß.

Mit Tusch und Trara hat man gegen 23:30 den Einzug der großen Transportkiste gefeiert. Da waren sie, die heißersehnten und es würde sicherlich spannend werden, wie viele tatsächlich ein iPhone abkriegen. Die Schlange beläuft sich inzwischen auf ca. 200 Personen.

Es ist 0 Uhr, Trompeten und Feuerwerk, die ersten 10 gehen hinein durch die Seitentür in den Seitengang, der heute einmal die Hauptrolle spielen darf. Abdeckungen werden entfernt von iPhone-Werbungen und der Blick in das innere des T-Ponts wird frei. Jede Menge Filmteams und Fotografen begleiten die Erstlinge, alles wird genau festgehalten. Schliesslich dauert die ganze Prozedur auch eine Weile, Vertrag, Registrierung, Aktivierung etc.

Nach einer weiteren halben Stunde ist es auch für uns, die nächsten 10, soweit. Was folgt, ist eine Mischung aus konstanter Vorfreude und Papierkram, der zwar eine Weile dauert, aber erstaunlich reibungslos funktioniert. Um 1:11 ist endlich der Vertrag unterzeichnet und das iPhone mein. Meine bisherige Prepaidnummer konnte ich behalten, technisch ist alles umgestellt und das iPhone bereits aktiviert und bereit zum Telefonieren.

Ich bedanke mich nochmal bei den Jungs und dem Vater, die mir Gesellschaft geleistet haben und David für das perfekte Dolmetschen. Jetzt noch ein Taxi finden und ab nach Hause. Und als wäre es der perfekte Abschluß eines perfekten Abends, steht an der Ecke ein Buda-Taxi (die einzige Kette, mit der ich – wenn überhaupt – in Budapest fahre, da man ansonsten schnell abgezockt wird), ich sage dem Fahrer auf ungarisch wo ich hin will und er fragt mich auf deutsch, wo aus Deutschland ich herkomme. 🙂

5 Euro später bin ich zu Hause, es ist geschafft und vollbracht. Jetzt kann die Zeit mit dem iPhone beginnen.

Auf index.hu, einer grossen Nachrichtensite in Ungarn, gibt’s noch ein paar mehr Fotos, man beachte das 2. und 3… wer nach dem orangen Hemd sucht, wird fündig. 😉

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